Tatort: „Tatort“

Drei Monate sind es jetzt schon her, dass ich für den Tatort gedreht habe. Und damals hatten mich einige von Euch (besonders diejenigen, die zum Beispiel nicht bei fb sind) gebeten, davon zu berichten. Nun hab ich erfahren, dass es noch mal zum Nachsynchronisieren nach Berlin geht, und da fiel mir dieses Versäumnis siedend heiß ein…

ICH TU´S. JETZT. SOFORT. :-) SONY DSC

Das erste, was ich gelernt habe, war: Ich bin eine Prinzessin ;-)). Nein im Ernst:  – es ist überhaupt nicht zu glauben, wie man am Set verwöhnt wird. Ich kam nach 5 Tagen nach Hause und hab zu meinen Jungs gesagt: „Hier muss jetzt ALLES anders werden…;-)!“  Keinen Schritt macht man alleine, für alles sind Fahrer da, und überallhin wird man begleitet. Das Abschminken in der Maske ist quasi eine Wellness-Behandlung (was ich leider erst am vorletzten Tag gemerkt habe, da ich bis dahin immer gesagt habe: Quatsch, das kann ich doch selber machen…) und jeder Wunsch wird einem von den Augen abgelesen. Ja, es ist eine anstrengende Arbeit, und alle wissen, dass es der ganzen Produktion zuträglich ist, wenn es den Beteiligten gut geht. Aber Theater ist auch anstrengend, und da hab ich sowas noch nie erlebt….

So: Morgens Frühstück im Hotel und Drehplan durchgucken. Dann vom Fahrer abgeholt und zum Set gefahren. IMG_8042

Am Set (in diesem Fall ein großes Krankenhaus) ist alles mobil dabei. Maske, Kostüm, und natürlich das Catering. Es gibt wirklich die feinsten Sachen, immer in riesiger Auswahl und auch hier wollen sie Dich immer extra verwöhnen. „Kaffee? Wie denn gerne? Mit diesem, jenem, Schäumchen,trallala -Nutellabrot?- natürlich: vielleicht noch mit Banane drauf? –  und darf ich Dir noch ein Spiegelei machen?….“ Ja: genau das möchte ich zu Hause jetzt auch morgens gefragt werden!

Die Technik ist schon seit Stunden am Aufbauen. Die Reqisiteure kümmern sich um die Details. SONY DSC

Im Kostüm- und Maskenwohnwagen werden wir drehfertig gemacht. IMG_8068

Es ist so saukalt, wie man es sich im Moment gar nicht mehr vorstellen kann. Wir hocken immer in Wärmejacken rum. Meine Maskenbildnerin ist etwas enttäuscht, dass sie sich an mir nicht austoben darf: ich soll immer nur „schlecht“ aussehen. Hihi..

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Wenn ich als Kind so käsig aussah, hat meine Mutter immer gesagt: „Du siehst aus wie Braunbier mit Spucke“. Ja – das trifft´s wohl..
Ich hab einmal etwas „gejammert“, dass mir immer noch mehr Fett in die Haare geschmiert wird. Da sagte meine süße Maskenbildnerin: „Aber Barbara, das ist doch PRODUKT!“   ..Ein geflügeltes Wort seitdem bei mir :-)).IMG_8061Dann geht´s zum Dreh. Jede Szene wird erst kurz besprochen, dann geprobt und schließlich mehrfach gefilmt. Als Totale, als Nahaufnahme, mal von dieser, mal von jener Person, und wenn diese Einstellungen alle im Kasten sind, wird alle Beleuchtung und die Kamera komplett umgebaut, damit von der Gegenseite gefilmt werden kann. Warten – das gehört dazu. Und dann immer wieder die gleiche Stelle spielen, immer wieder aus dem Nichts die Gefühle hervorzaubern, denn den Vorlauf wie in einem Theaterstück gibt es ja hier nicht. Es sind lauter Mosaikstückchen, nicht mal chronologisch gedreht, denn es werden an jedem Drehort praktischerweise alle Szenen aufgenommen, die dort spielen. Außerdem muss man gleichzeitig rein technisch und von den Abläufen her alles so machen, wie bei der ersten Klappe, denn sonst kann hinterher nicht zusammengeschnitten werden. Es gibt extra eine Frau, die genau nur darauf achtet – der Job heißt „Continuity“.

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Es wird gedreht, und der Regisseur guckt es sich gleichzeitig auf dem Monitor an.

Der Kameraassistent hat einen Wahnsinnsjob: Er sitzt den ganzen Tag (an einem Tag werden übrigens ca 4 min Film gedreht!) vor einem kleinen Bildschirm, den er sich durch einen dunklen Trichter hindurch betrachtet, um möglichst genau und scharf sehen zu können. Auf diesem Monitor sieht er alles, was der Kameramann gerade filmt. In der Hand hält er eine Art Ring, an dem er drehen kann, dieser Ring ist elektronisch mit dem Kameraobjektiv verbunden, und der Assistent bestimmt nun durch Drehen an diesem Teil, was auf dem Bild scharf zu sehen sein wird – also die Tiefenschärfe.  Natürlich in Absprache mit Regisseur und Kameramann. Wahnsinn..

SONY DSCNur am Rande: wusstet Ihr, dass es sogar „Blaue Flecken Tatoos“ gibt ?

IMG_8074Nach zwei Tagen im Krankenhaus neues Set: eine alte Wäscherei. Kaum zu unterscheiden, was orginal und was dekoriert ist. Deko sind auf jeden Fall die „Familienfotos“ hinter an der Wand, da mussten wir Darsteller extra alte Fotos von uns schicken, damit die so zusammengebastelt werden konnten.

IMG_8104Vor die Fenster sind aufwendige Gerüste gebaut worden, damit drinnen „Nacht “ ist. Wow – is nix mit einfach Fenster abkleben! Und alles genau durchdacht. Sogar die Wäsche, die im Garten hängt, ist Stück für Stück ausgewählt worden.

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Gleich Außendreh, es ist immer noch saukalt, aber die Gardrobieren versorgen uns mit Wärmesohlen, Wärmepads, Wärmegürteln…. und bis zur letzten Sekunde stecken wir in unseren Wärmemänteln und -schuhen.
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Letzte Absprachen, Licht – fertig, Kamera – fertig, Ton – läuft. Klappe die….

Immer wieder wird wiederholt, immer wieder muss ich auf Befehl losheulen, und wenn man dann erleichtert ist, dass es noch mal geklappt hat, sagt die continuity: Bitte nochmal, vorhin war beim Wort xy deine Hand etwas höher an der Mauer….!

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Überraschenderweise kommt kurz die Sonne raus. Geht gar nicht! Continuity! In Nullkommanix werden Lichtschutzschirme zusammengebaut. Für den „Tagdreh“ in der Wäscherei wurden die schwarzen Aufbauten übrigens in wenigen Minuten wieder zerlegt. Lauter Vollprofis am Werk!SONY DSC

Mit Devid Striesow – einem Sensationsschauspieler, der nicht nur irrsinnig witzig sein kann (und schräg, wie in seiner Rolle als Komissar), sondern den ich auch in einer zutiefst tragischen Rolle am Theater ganz grandios gesehen habe, drehe ich leider nur eine winzigste Szene.

SONY DSCAlso  – es war mein bisher längster Dreh und ich geb gerne zu, dass ich wahnsinnig froh und stolz bin, ausgerechnet im Tatort mitzuspielen. Im Januar flimmert der dann über die Bildschirme, und ich werde ganz schön aufgeregt sein und mich hoffentlich einigermaßen zufrieden angucken können. Und natürlich würde mich riesig freuen, wenn Ihr dann auch alle vor der Glotze hockt :-))!

16 Kommentare zu “Tatort: „Tatort“

  1. Tatort ist ein MUSS – da bin ich aber schon sehr gespannt. Super interessant Deine Infos und ein spannender Blick dahinter!
    Die Blaue-Flecken-Tattoos lassen mich schmunzeln und erinnern mich an eine Situation, als ich eine meiner Töchter von der Schule abholte und mir das Herz in die Hose rutschte. Blut überströmt, sehr blass um die Nase und mit Arm in einer Schlinge stand meine Tochter am Schultor. Als sie meinen Blick sah musste sie lachen. Ein Maskenbildner hatte sie so zurecht gemacht. Ehrlich – das Kunstblut ist täuschend echt…

    Liebe Grüße,
    Sabine

  2. Boh, das ist mal total spannend so hinter die Kulissen schauen zu dürfen!!!
    Sehr interessant und infrmativ in Wort und Bild!

    Ich bin gar nicht so der Tatort-Gucker, aber den schau ich mir gewiss auch an!

    Vielen Dank für deine Einblicke!
    LG,
    Monika

  3. definitiv! da freu ich mich schon drauf. sowieso tatort-fan ist der noch mehr pflichttermin als alle anderen. danke für die interessanten einblicke – so vieles so anders, als man es sich als laiin vorstellt.
    liebe grüße von ulma

  4. Als eingefleischer Tatort-Fan bin ich mächtig gepannt auf diese Folge. Auch noch mit Kommissar Stellbrink – den hab ich eh ins Herz geschlossen.
    Vielen Dank für die spannenden Einblicke! Was den irren Aufwand eines Drehs anbetrifft, habe ich diesen schonmal miterleben dürfen, als bei uns im Haus bzw. unserer Wohnung für eine Serie gedreht wurde. Wahnsinn! Ein ganzer Drehtag (wo absolut garnichts dem Zufall überlassen wird) – für hinterher 5-7 min. Sendezeit.
    Einen lieben Gruß von Steffi

  5. Hallöchen liebe Barbara
    Ich kann mich den Vor-Kommentatoren nur anschließen. Normalerweise bekommt man auch keinen Einblick in die Arbeit eines Schauspielers. Abgesehen von der mimischen Fähigkeit finde ich es auch bewundernswert, wieviel Text ein/e Schauspieler/in in den Kopf bekommen muss. Wie Du bereits erzählt hast, lernst Du ja zeitgleich zu einem Theaterangagement für das nächste Stück – Chapeau!
    Ich bin begeisterte Tatort-Guckerin und habe den Januar schon in Outlook notiert :-)
    LG, Ute – SCHICKinSTRICK
    PS. Nun eine Runde „la mer“ für Dich zum Entspannen ;-)

  6. Einfach wow! Dein Bericht über den Dreh finde ich total spannend. Hat richtig Spaß gemacht, ihn zu lesen. Die Tatortfolge werde ich in jedem Fall schauen. Vorher nochmal ankündigen! Ist noch lange hin. :-)
    Liebe Grüße!

  7. Ist das cool einmal „hinter die Kulissen“ zu sehen, bin sonst kein Tatortfan aber deinen Tatort werde ich mir sicher anschauen! Du wirst und sicher noch einmal daran erinnern oder?
    glg
    Sonja

  8. Haha Barbara, ich musste mehrmals laut lachen, der Einblick ist einfach wunderbar. DANKE! Wahnsinn, was da für ein Aufwand betrieben wird. Nix mit einfach filmen. Unglaublich finde ich, dass vier Minuten Film an einem Tag gedreht werden? Klingt irgendwie nicht so effizient. ;-)

    Und Frau continuity hat echt bemerkt, dass Deine Hand beim vorherigen Take höher an der Mauer war? Unglaublich, das stelle ich mir als Job ganz schön anstregend vor.

    Ich bin eingefleischte Tatort-Guckerin und bitte gib Bescheid, bevor Deiner ausgestrahlt wird. Den will ich auf keinen Fall verpassen!

    Liebe Grüße,
    Sandra

  9. Liebe Barbara,
    Es hat Freude gemacht Deinen erfrischend fotografierten und kommentierten Einblick zu folgen.
    Dankeschön, ich werde im Januar ganz besonders auf die Tatortausstrahlungen achten! ;-)

    Schöne Grüße
    Hala

  10. Meine berühmte PAMK-Tauschpartnerin!!! ^_^

    Ich freue mich, als regelmäßige Tatort-Verfolgerin, ganz besonders auf den Deinen!
    Aber bitte vorher nochmal Laut geben!!!
    Damit ich ganz besonders auf Dich achte!

    GlG Sandra

  11. das war jetzt spannender, als so mancher tatort. und möchte natürlich auch das ausstrahlen nicht verpassen.
    herrn striesow finde ich sensationell. da wird der tatort zum ta-törtchen.
    und ganz besonders mag ich deine augenziel-collage. toller augenblickfänger.

    danke für die vielfältigen einblicke.

Ich freue mich sehr über Eure Kommentare. Ich lese sie alle! Auch wenn ich es nicht immer schaffe, jeden Einzelnen zu beantworten! Danke!!

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